Festgeldzinsen versteuern: Was beachten?

Festgeldzinsen sind KapitalertrĂ€ge, auf die Steuern bezahlt werden mĂŒssen. Wenn Du Dich fragst, was Du als pflichtbewusster BĂŒrger tun musst, um Deinen Steuerverpflichtungen nachzukommen, dann kannst Du Dich zunĂ€chst mal entspannt zurĂŒcklehnen. In Deutschland lĂ€uft nĂ€mlich alles automatisch. Aber Du solltest auf der Hut sein, denn automatisch heißt nicht, dass alles zu Deinen Gunsten lĂ€uft. Wann und wo Du aktiv werden solltest, das erlĂ€utern wir Dir in diesem Beitrag.

Festgeldzinsen und Kapitalertragsertragssteuer

Nicht nur Festgeldzinsen musst Du versteuern, sondern auch alle anderen KapitalertrĂ€ge, die sich aus Geldanlagen wie Aktien, ETFs, Tages- oder Festgeld ergeben. Die Kapitalertragssteuer betrĂ€gt einheitlich in Deutschland 25 %, wozu noch ein 5,5%iger Soli und gegebenenfalls Kirchensteuer hinzugerechnet werden. Ohne Kirchensteuer sind es demnach 26,375 % Steuern. Seit 2009 ist die sogenannte Abgeltungssteuer eingefĂŒhrt. Das bedeutet nichts anderes, als dass die Bank fĂŒr Dich die Steuer von Deinen Zinsen abzieht und direkt an das Finanzamt abfĂŒhrt. Das heißt, eigentlich brauchst Du nichts mehr zu tun. Aber was heißt „eigentlich“ in diesem Fall?

Die Anlage KAP in der SteuererklÀrung

Wenn Du Deine SteuererklĂ€rung selbst ausfĂŒllst, entweder digital oder noch auf Papier, oder es von einem Steuerberater machen lĂ€sst, stĂ¶ĂŸt Du auf die Anlage KAP, in der KapitalertrĂ€ge angegeben werden. FrĂŒher – vor der Abgeltungssteuer – musstest Du diese Anlage ausfĂŒllen, wenn Du KapitalertrĂ€ge hattest. Heute werden die Angaben von der Bank direkt an das Finanzamt ĂŒbermittelt und Du selbst erhĂ€ltst eine Steuerbescheinigung von der Bank. Damit entfĂ€llt in der Regel die Notwendigkeit, die Anlage KAP auszufĂŒllen. „In der Regel“ heißt jedoch nicht immer.

Festgeldzinsen versteuern

Wann muss/sollte die Anlage KAP ausgefĂŒllt werden?

Es gibt folgende FĂ€lle, wo Du trotzdem Angaben in der Anlage KAP machen musst oder machen solltest:

  • KapitalertrĂ€ge im Ausland: Die Abgeltungssteuer gilt nur in Deutschland. Aber auch Festgeldzinsen, die bei einer auslĂ€ndischen Bank erwirtschaftet wurden, musst Du versteuern. Um die Sache noch zu verkomplizieren, kann hier sogar noch Quellensteuer anfallen, die Du bis zu einer Höhe von 15 % in Deutschland anrechnen lassen kannst und Dir in Teilen wieder erstatten lassen kannst. Mehr Details zur Quellensteuer findest Du im verlinkten Artikel.
  • Kein Sparerpauschbetrag: Seit 2023 steht Dir ein jĂ€hrlicher Sparerpauschbetrag von 1000 Euro (zusammenveranlagte Ehepaare: 2000 Euro) zu, das heißt, dieser Betrag ist bei KapitalertrĂ€gen steuerfrei. Du musst fĂŒr diesen Betrag jedoch einen Freistellungsauftrag bei der Bank erteilen. Dieser Freistellungsauftrag kann auch auf mehrere Banken verteilt werden, wobei der Gesamtbetrag nicht ĂŒberschritten werden darf. Wenn Du diesen Auftrag nicht erteilt hast, oder die verschiedenen FreistellungsauftrĂ€ge ungĂŒnstig verteilt hast, dann kann es sein, dass Du zu viel Steuern bezahlst. Mit AusfĂŒllen der Anlage KAP kannst Du Dir diese zu viel gezahlten Steuern auf Deine Festgeldzinsen zurĂŒckholen.
  • Fehlende Nichtveranlagungsbescheinigung: Wenn Dein insgesamt zu versteuerndes Einkommen inklusive KapitalertrĂ€ge nicht ĂŒber den Grundfreibetrag von 10.908 Euro (Jahr 2023) hinauskommt, dann brauchst Du Deine Festgeldzinsen nicht zu versteuern. Solltest Du versĂ€umt haben, fĂŒr diesen Fall eine Nichtveranlagungsbescheinigung beim Finanzamt zu beantragen, dann kannst Du Dir zu viel gezahlte Steuern ebenfalls ĂŒber die Anlage KAP zurĂŒckholen. Die NV-Bescheinigung gilt ansonsten fĂŒr drei Jahre und muss bei Deiner Bank vorgelegt werden, damit sie keine Abgeltungssteuer von Deinen Festgeldzinsen abzieht.
  • Widerspruch zur Kirchensteuer: Solltest Du Kirchenmitglied sein, dann wickelt die Bank auch die Kirchensteuer auf Deine Festgeldzinsen ab. Du kannst dem aber widersprechen. In diesem Fall muss die Kirchensteuer ĂŒber die SteuererklĂ€rung, also das AusfĂŒllen der Anlage KAP festgesetzt werden.

Triff die richtigen Vorkehrungen, dann lÀuft das Versteuern der Festgeldzinsen von allein

Festgeldanlagen nur in Deutschland, Einreichen des Freistellungsauftrags, gegebenenfalls NV-Bescheinigung beantragen und der Kirchensteuerabwicklung nicht widersprechen (oder aus der Kirche austreten). Das sind die Maßnahmen, mit denen Du auf eine gesonderte SteuererklĂ€rung zu Festgeldzinsen (Anlage KAP der EinkommensteuererklĂ€rung) verzichten kannst. Dann lĂ€uft das Versteuern automatisch und ohne Nachteile fĂŒr Dich.

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